Die neue deutsche Rahmenordnung für die Priesterausbildung („Ratio nationalis“) wurde veröffentlicht, an deren Entstehung ich zeitweise als theologischer Experte beteiligt war. Der zuständige Bischof Michael Gerber hat diesen Prozess mit Umsicht und wohltuender Offenheit geleitet.
Ich bin gespannt, was nun im fertigen Dokument steht.
Was man bei einer ersten Stichwortsuche z. B. vergeblich sucht, ist das von Papst Franziskus immer wieder ganz offen angesprochene (und von deutschen Bischöfen gerne vermiedene) K-Wort: Klerikalismus. Also: Sakralisierte und daher höchst missbrauchsgefährdete Machtasymmetrien im Volk Gottes.
Am tridentinischen Seminarmodell („Kasernierung“), das konzeptuell eine entsprechende Habitualisierungsanstalt für eine in sich geschlossene Priesterkaste („Mitbrüder“) war, wird offenbar weiterhin festgehalten – wenn auch mit gewissen Öffnungen. Das ist zumindest schon mal ein Anfang.
Denn wir brauchen für die Beruf(ungs)spfade aller kirchlichen Amtsträger:innen (geweihte wie nichtgeweihte) heute ganz dringend etwas ganz Anderes:
- Synodal offene Expusurewege statt klerikal geschlossener Schutzhäuser (siehe auch meinen programmatisch ansetzenden Beitrag dazu).
- Geschlechterparitätisch und gleichberechtigt besetzte Hausleitungen in den diözesanen Priesterseminaren: Kein Regens ohne Regentin.
- Eine wirklich gemeinsame Ausbildung von Geweihten und Gesendeten bereits während des Theologiestudiums und in den ersten Berufsjahren als gemeinsamer Weg geteilter Jüngerschaft – denn begründungspflichtig ist nicht das Gemeinsame, sondern das Getrennte.
Woher sonst sollen die synodal gesinnten, im Innen wie nach Außen offenen kirchlichen Amtsträger:innen kommen, die wir so dringend brauchen?
Papst Leo hat dafür kürzlich in einer Weihepredigt faszinierende Horizonte skizziert („Seid Kanal, kein Filter“), die ich aus drei Gründen bemerkenswert finde: sie war nicht nur nicht klerikalistisch, sondern auch auf eine ad intra gastfreundliche und ad extra entdeckungsfrohe Weise weltoffen.
Zunächst charakterisierte er die Kirche postklerikalistisch als einen „Garten der Gemeinschaft, dessen Hüter der Auferstandene ist“:
„Eure Sicherheit soll nicht in der Rolle liegen, die ihr einnehmt, sondern im Leben, Tod und in der Auferstehung Jesu, in der Heilsgeschichte, an der ihr gemeinsam mit eurem Volk teilhabt. […] Die Gemeinschaften, in die ihr gesandt werdet, sind Orte, an denen der Auferstandene bereits gegenwärtig ist […]. Ihr werdet seine Wunden erkennen, seine Stimme unterscheiden, und ihr werdet diejenigen finden, die ihn euch zeigen.“
Das erfordert einerseits gastfreundliche Offenheit nach außen:
„Zusammen mit den anderen Getauften werdet ihr jeden Tag die Schwelle des Geheimnisses überschreiten [..]. Verdeckt diese heilige Tür niemals, versperrt sie nicht, seid kein Hindernis für diejenigen, die eintreten wollen. […] Heute mehr denn je, besonders dort, wo die Zahlen eine Entfremdung zwischen den Menschen und der Kirche zu zeigen scheinen, haltet die Tür offen! […] Das sei das grundlegende Profil eurer Sendung: die Schwelle frei zu halten und darauf hinzuweisen, ohne dass es vieler Worte bedarf.“
Schwellen lassen sich nicht nur von Außen nach Innen überschreiten, sondern im Modus explorativer Pastoral auch in umgekehrter Richtung:
„Das Leben erschöpft sich nicht in der Pfarrei, im Verein, in der Bewegung, in der Gruppe. […] Meine Lieben, geht hinaus und entdeckt die Kultur, die Menschen, das Leben! Staunt über das, was Gott wachsen lässt, ohne dass wir es gesät haben. Diejenigen, für die ihr Priester sein werdet […] leben auf Weiden, die ihr kennenlernen müsst. Manchmal wird es euch so vorkommen, als hättet ihr keine Landkarten dafür. Doch der gute Hirte besitzt sie, auf dessen so vertraute Stimme ihr hören müsst.“
Auch fremder Boden trägt.

