Standpunkt

Leuchtschrift "Ohne Theorie keine Revolution"

Ohne Theorie keine Revolution

Die in diesem Claim versteckte Denkform des „Nicht ohne“ (Michel de Certeau) ist für mich eine theologisch grundlegende Struktur. Sie öffnet den wissenschaftlichen Diskurs auf das Andere hin. Und auf den ganz Anderen: Gott als Geheimnis der Welt.
Mein Angebot besteht in Theorien. Denn es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Und es macht kaum etwas mehr Spaß, als diese miteinander kollaborativ und in kreativer Weise zu entwickeln.
Theorien sind jedoch kein akademischer Selbstzweck. Sie zielen vielmehr auf eine Revolution – auf einen Umsturz der herrschenden Verhältnisse. Auf das große Anderswie des Lebens. Theologisch gesprochen: auf das Reich Gottes mitten unter uns.

Mein eigenes theologisches Fach Pastoraltheologie widmet sich dieser Revolution, indem es permanent zwischen Praxisfeldern und Diskursarchiven menschlichen Lebens hin und her läuft – sprich: einen wissenschaftlichen Diskurs (von lat. discurrere) über die potenzielle Kreativität dieser Differenz führt.

Theologie ist mehr als du glaubst und weiter als du denkst.

Theologie beschränkt sich nicht auf Kirchendinge. Sie ist mehr. Viel mehr als du glaubst. Denn letztlich geht es um das gesamte menschliche Leben, in allen seinen Facetten.
Und sie ist auch mehr als das, was du glaubst. Oder was Theolog:innen glauben. Sie ist das, was sie zu wissen suchen, vielleicht sogar zu lieben lernen und zu hoffen wagen.
Und damit ist sie auch als Wissenschaft schon viel weiter als manche denken. Weder Postkoloniales noch Gendertheorien sind ihr fremd. Und die Universität ist genau der richtige Ort dafür.
Mit ihrem Denken geht sie weit über herkömmliche Diskurse hinaus – hinein in die geheimnisvolle Unendlichkeit Gottes.

Inspiriert von einer Online-Kampagne der Katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Frankfurt: „Mehr als du glaubst. Auch wenn KI denkt, Theologie denkt weiter“.