Julius Döpfner

Vor genau 50 Jahren starb Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) – ein Unterfranke einfacher Herkunft aus der Rhön. Ich habe an derselben Würzburger Schule (damals Neues Gymnasium, heute Riemenschneider-Gymnasium) wie er Abitur gemacht. Sein Studium absolvierte er weitgehend an der römischen Gregoriana – er war also in theologischer Hinsicht zwar ein Römer, zugleich aber durchaus kein „Römling“ (Daniel Deckers).

Als junger Bischof von Würzburg setzte nach der fast vollständigen Zerstörung der Stadt am 16. März 1945 in der Pastoral höchst evangeliumsgemäße Prioritäten: Sozial- vor Sakralbauten. Seine Aussage „Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau“ wurde zum geflügelten Wort.

In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde der 1958 zum Kardinal erhobene Julius Döpfner zunächst als Bischof von Würzburg (1948-1957), dann von Berlin (1957-1961) und schließlich von München-Freising (1961-1976) eine der prägenden Bischofsgestalten des 20. Jahrhunderts – auch wenn er wie die meisten seiner damaligen Amtskollegen einen inakzeptablen Umgang mit Tätern sexuellen Missbrauchs hatte.

Als Mitglied der Zentralen Vorbereitungskommission des Zweiten Vatikanischen Konzils warnte er zusammen mit anderen führenden Kardinälen Papst Johannes XXIII. kurz vor Konzilsbeginn in einem zwölfseitigen Brief, die unter der Ägide der Römischen Kurie vorbereiteten Textentwürfe („Schemata“) widersprächen der päpstlichen Einberufungsintention eines weltpastoral ausgerichteten Reformkonzils:

„Zahlreiche Schemata atmen nicht genügend den Geist dieser Erneuerung. […] Viele Schemata betrachten die Kirche zu sehr in der Perspektive einer belagerten Festung, die das Konzil zu verteidigen habe […]. Die Kirche wird mehr als eine juridische und weniger als eine missionarische Institution betrachtet. Man wagt es nicht, sich der gegenwärtigen Welt zu öffnen […].“ (AS VI-1, 57; 59f).

KNA-Bild: Döpfner als Konzilsmoderator

Als einer der vier Konzilsmoderatoren prägte Döpfner dann nicht nur den Aufbruch des Zweiten Vatikanums („Döpfnerplan“), sondern als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz auch jenen der Würzburger Synode („Das deutsche Konzil“): ausgleichend und doch mutig voranschreitend.

Die nachkonziliaren Verwerfungen in der deutschen Kirche begannen erst mit den plötzlichen Tod Julius Döpfners 1976 bzw. mit dem Aufstieg seines Münchner Nachfolgers Joseph Ratzinger und der Wahl des ebenso konservativen Kölner Kardinals Joseph Höffner, einem anderen erklärten Gegner z. B. der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, zum Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz.

KNA-Bild: Döpfner mit Karl Rahner und Johann Baptist Metz

Schon zuvor war Döpfner aufgrund seines eigenständigen Kurses in Fragen der Empfängnisverhütung („Königsteiner Erklärung“) bzw. seiner Verteidung Hans Küngs vor der Glaubenskongregation in Rom in Ungnade gefallen – symbolisch verdichtet in der während dem Pontifikat Johannes Pauls II. erfolgten Entfernung seines Bildnisses von der 1977 eingeweihten, durch Luciano Minguzzi gestalteten Konzilstür des Petersdoms, die zwischen den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. die vier Konzilsmoderatoren zeigte: damnatio memoriae.

Es bleiben kraftvolle Sätze Kardinal Döpfners – so wie der folgende dramatische Appell des jungen Diözesanbischofs (Motto: Praedicamus crucifixum ) aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, veröffentlicht in seinem ersten Hirtenbrief als frischgeweihter Bischof des zerstörten Würzburg:

„Um des Gekreuzigten willen beschwöre ich Euch: Lasst den Herrn in den notleidenden Brüdern nicht vergeblich rufen. Sonst entfernt das Kreuz von allen Wänden, holt es von allen Türmen; denn es ruft das Gericht über ein Land, das sich christlich nennt und das Gesetz der Selbstsucht und des Hasses erfüllt.“


Beitragsbild: KNA